Zwei Seiten der Medaille

Alles hat zwei Seiten, eine eher positive und eine schwierige oder negative Seite. Manchmal ist es schwer abzuwegen, was nun wichtiger ist.

 

Auf der einen Seite freue ich mich immer wieder wenn ich in Afrika bin, über die hohe Anteilnahme und die Intensität des zwischenmenschlichen Miteinanders. Man ist verbunden durch gemeinsame Aktivitäten, Glauben, Geschlecht und natürlich auch über Familienbande.

 

Familienbande können eine große Belastung darstellen, wenn sie dazu führen, daß ein erfolgreiches Familienmitglied von anderen in der Familie ausgenutzt wird, was leider immer wieder vorkommt. Aber auch hilfreich sein, wenn man Unterstützung benötigt.

 

Wo es immer wieder deutlich wird ist bei Anlässen wie Beerdigungen, wo alle zusammenkommen. Hier greift dann auch die Nachbarschaftshilfe, denn die Nachbarinnen kochen und versorgen die Trauergäste und entlasten die Trauernden so gut es möglich ist.

 

Ebenso bei Geburten. Die werdende Mutter ist nicht alleine. Die eigene Mutter, Tanten, ältere Frauen sind an ihrer Seite und begleiten sie durch die Geburt und helfen in den ersten Tagen, wo immer es nötig ist.

 

So wurde Queenie am Sonntag während des Gottesdienstes angerufen, daß ihre älteste Tochter zur Entbindung in die Klinik gegangen sei. Sie brach sofort auf, um an ihrer Seite zu sein, begleitet von einer weiteren Frau der Gemeinde. Nur wenige Stunden später kam die Meldung: „Ich habe eine neue kleine Enkelin“. Auch an den nächsten drei Tagen fuhr sie jeden Tag zu ihrer Tochter, um zu helfen und nach den beiden zu sehen.

 

Dies ist schön. Ich liebe den Zusammenhalt der Frauen, die gegenseitige Hilfe, die selbstverständlich ist. Doch auch dies hat eine negative Seite. Denn, wenn man zur Hilfe eilt, ob Geburt, Beerdigung, oder anderes, verläßt man seine Arbeit und was immer für den Tag geplant war bleibt liegen. Somit erschwert dieses Verhalten berufliche Abläufe und kann sehr störend werden, wenn, so erlebt, ganze Wochen ausfallen, weil ständig eine soziale Verpflichtung dazwischen kommt. Aber wie soll man dies lösen?

 

Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn ich in Deutschland meinen Arbeitsplatz verlassen würde, um zu meiner Tochter in die Klinik zu eilen, damit ich bei der Entbindung dabei sein kann. Natürlich kann man dies nur bedingt vergleichen, denn ich kann davon ausgehen, daß meine Tochter in der Entbindungsklinik gut betreut sein wird. Dies ist hier nicht sicher, denn oft sind die jungen Frauen allein gelassen und so ist Unterstützung von familärer Seite wichtig. Auch die Mahlzeiten, werden von außen gebracht, wiederum ist da die Familie oder Freunde gefragt. Ein möglicher Kompromiss könnte jedoch so aussehen, daß man sich die Betreuungsarbeit teilt und so zumindest Alltagsabläufe weniger gestört wären.